Gedanken zum mythologischen Hintergrund
In der griechischen Mythologie gibt es für mich drei Protagonisten, die
herausragen.
* Ödipus
* Odysseus
* Sisyphos
Alle
drei sind Archetypen für tiefwurzelnde Menschheitsthemen. Alle drei
gehen ihre Thematik mit großem Mut bis zum bitteren oder erlösenden
Ende durch.
Alle drei durchleben aktuelle Seelenthemen, und sind in
diesem Sinne absolut Heutige.
Da ist zuerst Ödipus, der mit
allem Eifer das ihm vorhergesagte zu verhindern suchte und gerade
dadurch den Lauf des Schicksals vollzog. Die Tragödie, die sich
vielfältig durch die griechische Mythologie zieht, scheint durch die
Prophezeiung zu erstehen.
Die Tragödie entsteht dadurch, dass
der Mensch die Zukunft als Vorhersage kennt - oder zu kennen glaubt -
und sie zu vermeiden sucht. Und gerade durch das Vermeiden-Wollen der
Vorhersage wird das eben so vorhergesagte Schicksal besiegelt. So
erschlägt Ödipus als Sehender blind seinen Vater, heiratet seine
Mutter, ebenso blind, weil unwissend, und kann erst als Blinder (er
nahm sich aus Verzweiflung das Augenlicht) am Ende aller Schuld zum
Sehenden werden. Hier Endet die Tragödie hinter der Talsohle in
Erkenntnis und Erlösung.
Da ist Odysseus, der Sohn des Sisyphos,
der den zehnjährigen Krieg um Troja mit seiner Intelligenz entscheidet
(das trojanische Pferd), und der darauf weitere zehn Jahre auf dem Meer
der Seele herum irren soll, um eben diese menschliche Seele durch alle
Fährnisse bis in die Abgründe von Skylla und Charybdes zu erfahren.
Auch hier am Ende die Erlösung, seine Heimkehr nach Ithaka, Meisterung
der letzten Herausforderungen und Vereinigung mit seiner Familie.
Sisyphos
scheint dieser Erlösungsaspekt versagt zu sein, die ewige Verdammnis zu
sinnloser Arbeit finde keine Auflösung. Ich habe mich gefragt, ob hier
die Überlieferung lückenhaft war. Darum hab ich mich bemüht, den
möglichen Erlösungsweg heraus zu arbeiten, die Lücke zu finden, die
jede Ewigkeit irgendwo verbirgt und so das Urteil der Götter, sowie die
Götter selbst zu durchleuchten.
So bleibt dem Sisyphos auch in den
tiefsten Abgründen des Tartaros, der Strafabteilung der Unterwelt, noch
die Möglichkeit der innersten Erkenntnis, der Wiedererweckung seines
ursprünglich königlichen Seins in verwandelter Form, und damit das
Aufsteigen durch die tiefsten Tiefen zurück oder vielleicht besser
voran in die menschliche Welt. Die Wurzel zu der notwendenden
Erkenntnis liegt im Gewahrwerden der Bedingungslosigkeit, und zwar
zuerst der Bedingungslosigkeit des Seins schlechthin. Daraus leitet
sich unweigerlich die Bedingungslosigkeit des Lebens und des
individuellen Lebens des Einzelnen ab. Diese Bedingungslosigkeit taucht
immer wieder auch in den ältesten Schriften auf, da wo es Raum gibt,
jenseits von Moral und Gewohntem, einen Ausblick auf die Wurzeln des
Lebens zu erhaschen.
Mir ist es ein mehr als nur logischer
Schluss, das diese Bedingungslosigkeit dem Menschen einen Grundstock
für ein menschenwürdiges Leben bereit hält. So wird das bedingungslose
Grundeinkommen zu etwas lange Vorhandenem. Die Erkenntnis des Sisyphos,
dass sinnlose Arbeit abgelegt werden kann, dass Arbeit, die von außen
auferlegt und nicht von innen gestützt wird, keine wirkliche Arbeit
ist, schafft Raum für eine völlig neue Definition der Arbeit. Die
Arbeit bekommt ihren Namen aus der Sinngebung heraus und nicht aus der
einfachen Tatsache einer Beschäftigung, die den Menschen zeitlich
bindet.
Damit ist auch der Raum für das bedingungslose
Grundeinkommen offen, welches die Arbeit im sinngebenden Rahmen
fördert. Sowohl Ödipus, Odysseus wie Sisyphos haben beispielhaft große
seelische Themen für uns durchlebt. Wir dürfen darauf aufbauen und
weiter gehen. >
